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Die Kreditkonditionen-Anfrage und die Auswirkungen auf das Kreditscoring der Schufa Holding AG

  • Worin liegt das Problem?
  • Was ist die Schufa?
  • In welcher Beziehung steht die Schufa zu den Banken?
  • Worin liegt die Gefahr?
  • Warum sorgen viele Schufa- Anfragen für einen geringen Scorewert?
  • Was ist den Kreditsuchenden zu raten?
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Im Rahmen einer Suche nach einer Neu- oder Anschlussfinanzierung eines Darlehens kann besonders der mündige Verbraucher in die „Schufa“-Falle tappen. Durch einen Preisvergleich verschiedener Banken kann sich der zukünftige Darlehensnehmer den ihm angebotenen Darlehenszins nämlich nachhaltig negativ beeinflussen.

 

 

 

Übersicht:

Worin liegt das Problem?

Oftmals stellt sich in der rechtlichen Auseinandersetzung mit einer kreditfinanzierenden Bank das Problem, dass der Kunde oder Mandant eine Um- oder Anschlussfinanzierung benötigt. Sei es für die Ablöse eines widerrufenen Darlehens oder weil er aufgrund einer fehlerhaften Zinsabrechnung seiner Bank nicht mehr vertraut.
In jedem Fall möchte der Kunde den möglichst günstigsten Neuvertrag zur Ablöse der/des Kredite(s) abschließen. Dies setzt einen Preisvergleich der verschiedenen Banken voraus. Leider fällt ein Preisvergleich von Krediten nicht so einfach aus, wie der in den Medien sooft beworben „Strom- und Gas-Vergleich“. Der Darlehenszins und die damit verbundenen Kreditbedingungen sind sehr persönlich auf den jeweiligen Kreditnehmer zugeschnitten und müssen von jeder Bank mühsam einzeln abgefordert werden. Hierin liegt die Gefahr, dass der Verbraucher seine von der Schufa Holding AG bereitgestellten Kreditscores vernichtet.

Was ist die Schufa?

Die Schufa Holding AG ist Deutschlands führende Auskunftei im Privatkundenbereich. Sie speichert Daten und errechnet aus den ca. 797 Millionen gespeicherten Datensätzen zu ca. 66,4 Millionen Bundesbürgern individuelle Kreditwürdigkeitsprognosen, sogenannte Scores. Diese Scores in Form einer Prozentangabe zur „Erfüllungswahrscheinlichkeit“ und eines verbalen Urteils teilt sie ihren Vertragspartnern auf Anfrage mit. Dies soll ein aussagekräftiges Urteil über die Ausfallwahrscheinlichkeit des Betroffenen geben.

In welcher Beziehung steht die Schufa zu den Banken?

Kreditinstitute gehören zu den Vertragspartnern der Schufa Holding AG. Sie müssen aufgrund der Basel-Regelungen dafür Sorge tragen, dass so wenig Kreditausfälle wie möglich zu verzeichnen sind. Diese Aufgabe haben einige Banken teilweise an Wirtschaftsauskunfteien outgesourced. Auf Grundlage der von dort abgefragten Daten geben die Banken die individuellen Angebote ab. Mit anderen Worten: Je schlechter die Scores, desto schlechter die Kreditkonditionen, bis hin zur völligen Kreditablehnung.

Worin liegt die Gefahr?

Doch die Banken fragen bei den Auskunfteien nicht nur Daten ab, sondern sie melden auch selbstständig Daten dorthin. Dazu sind sie aufgrund ihrer Verträge mit der Schufa Holding AG auch verpflichtet. Dabei ist es für den Verbraucher in der Regel kein Problem, wenn eine Bank die Aufnahme oder Beendigung einer Geschäftsbeziehung an die Schufa Holding AG meldet (von einer außerordentlich beendeten Geschäftsbeziehung einmal abgesehen). Im Bereich des vorvertraglichen Preisvergleichs kann es hier jedoch zu einer gefährlichen Konstellation kommen.
Lässt sich der Verbrauch beispielsweise von Bank X ein Kreditangebot erstellen, so muss die Bank aufgrund ihrer Regularien die Bonität des Anfragenden prüfen. Dies tut sie in aller Regel durch eine Anfrage bei der SCHUFA. Angenommen unser zukünftiger Kreditnehmer ist ein mündiger Verbraucher, so wird er sich gleichsam auch bei Bank W, Y, Z und vielleicht noch mehr Banken nach den angebotenen Konditionen erkundigen. Auch diese Banken erkundigen sich dann bei der SCHUFA nach der Bonität. Genau hierin liegt die Krux. Die SCHUFA verzeichnet jede Kreditanfrage und wertet den Verbraucher – der eigentlich nur Preise vergleichen will – stückweise ab. Das heißt, jede neue Kreditanfrage lässt die Bonität des Verbrauchers weiter sinken.

Warum sorgen viele Schufa- Anfragen für einen geringen Scorewert?

Der perfide Gedanke der auf Seiten der SCHUFA hinter dieser Praxis steck ist Folgender: Wenn jemand in sehr kurzer Zeit eine größere Anzahl von Kreditanfragen stellt, so gibt er deutlich zu verstehen, dass er unbedingt auf Kreditierung angewiesen ist, „ihm das Wasser also bis zum Hals steht“. Den mündigen Verbraucher, der Preise verschiedener Banken vergleicht, hatte die SCHUFA lange Zeit nicht im Blick. Erst als Verbraucher- und Datenschützer dagegen Sturm liefen, änderte die SCHUFA die Praxis. Sie verzichtete aber nicht darauf Kreditanfragen mit in ihre Scorings einzubeziehen und negativ auszuwerten (das tut sie weiterhin), sondern schuf ein neues Instrument: Die Kreditkonditionenanfrage.

Was ist den Kreditsuchenden zu raten?

Im Gegensatz zur „klassischen“ Kreditanfrage, beeinflusst die Kreditkonditionenanfrage den Scorewert nicht. Hier fragt die Bank für den Kunden bei der SCHUFA an, wie die Bonitätswerte des Verbrauchers wären, wenn er einen Kredit abschließen würde. Dies erscheint auf den ersten Blick kein großer Unterschied, führt am Ende aber dazu, dass die SCHUFA keine Anfrage nach einem Kredit speichert und negativ auswertet. Die Kreditkonditionenanfrage ist also im Gegensatz zur Kreditanfrage score-neutral. Leider verwenden nicht alle Banken automatisch dieses Instrument, mancher Sachbearbeiter kennt es nicht, manch einer scheut den zusätzlichen Aufwand. Sollte ein Verbraucher also Zinshöhe und Kreditkonditionen verschiedener Banken vergleichen wollen, so sollte er darauf achten immer eine Kreditkonditionenanfrage zu formulieren. Andernfalls kann gerade der Preisvergleich selbst – entgegen dessen volks- und betriebswirtschaftlichen Sinn – dazu führen, dass der Vergleichende schlechtere Konditionen bekommt als ohne Preisvergleich.

Autor

Christian Appelt
Rechtsanwalt

Bankrecht, Bankaufsichtsrecht, Kapitalmarktrecht, E-Commerce, Internet- und IT-Recht, Reputationsrecht

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