0
Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

PSD Bank Berlin Brandenburg eG verweigert eigenem Bankkunden Erstattung des Schadens nach Entwendung Maestro-EC-Karte und anschließender Kontoplünderung

Zum zu Grunde liegenden Sachverhalt

Die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG, vertreten durch den Vorstand, Daniel Monhaupt, Grit Westermann, Jörg Wohlrab, Handjerystraße  34 - 36, 12159 Berlin ist die Hausbank eines unserer Mandanten.

Unser Mandant berichtet uns von folgendem Sachverhalt:

Das Konto läuft auf unseren Mandanten und seine Ehefrau ist im Besitz einer Zweitkarte und kann über das Konto unseres Mandanten (mit)verfügen. Im April 2018 war die Ehefrau unseres Mandanten in einem Einkaufscenter in Berlin aufhältig und dort wurde ihr die Geldbörse gestohlen von unbekannten Dritten. In der Geldbörse befand sich auch die Zweitkarte für das gegenständliche Konto unseres Mandanten. Den Verlust der EC-Karte bemerkte die Ehefrau unseres Mandanten erst nachdem die unbekannten Täter damit insgesamt 1.990,00 Euro in drei Tranchen von dem gegenständlichen Konto unseren Mandanten abgehoben hatten. Die zur Karte gehörige PIN hat weder unser Mandant noch die Ehefrau zusammen mit der Zahlungskarte aufbewahrt. Insbesondere wurde die zu der Zahlungskarte gehörende PIN nicht auf der Zahlungskarte selbst oder in der räumlichen Nähe notiert. Die Verfügungen haben nicht an von der PSD-Bank Berlin Brandenburg eG betriebenen Automaten stattgefunden sondern an einem Geldautomaten der Card Point GmbH.

PSD-Bank Berlin Brandenburg eG ist der Pflicht aus Ihren eigenen Geschäftsbedingungen nicht nachgekommen

In diesen Geschäftsbedingungen verspricht die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG ihren Kunden vorbehaltlos bereits vertraglich für den Fall von nichtautorisierten Zahlungsanweisungen:

14.1: „ Erstattung bei nicht autorisierter Kartenverfügung. Im Falle einer nicht autorisierten Kartenverfügung, z.B. in Form der Abhebung von Bargeld an einem Geldautomaten; Verwendung der Karte an automatisierten Kassen von Handels- und Dienstleisterunternehmen; Verwendung der Karte zum Aufladen eines Prepaid- Mobilfunk- Kontos; hat die Bank gegen den Kontoinhaber keinen Anspruch auf Erstattung ihrer Aufwendungen. Die Bank ist verpflichtet, dem Kontoinhaber den Betrag ungekürzt zu erstatten. Wurde der Betrag dem Konto des Karteninhabers belastet, bringt die Bank dieses wieder auf Stand, auf dem es sich ohne die nicht autorisierte Kartenverfügung befunden hätte. Diese Verpflichtung ist spätestens bis zum Ende des Geschäftstags gemäß „Preis und Leistungsverzeichnis“ zu erfüllen, der auf den Tag folgt, an welchem der Bank angezeigt wurde, dass die Kartenverfügung nicht autorisiert ist, oder die Bank einer zuständigen Behörde berechtigte Gründe für den Verdacht, dass ein betrügerisches Verhalten des Karteninhabers vorliegt, schriftlich mitgeteilt, hat die Bank ihre Verpflichtung aus Satz 2 unverzüglich zu prüfen und zu erfüllen, wenn sich der Betrugsverdacht nicht bestätigt.“

 Die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG ist mithin der Pflicht aus Ihren eigenen Geschäftsbedingungen nicht nachgekommen, da unser Mandant keine Erstattung der nichtautorisierten Abhebungen erhalten hat.

 PSD-Bank Berlin Brandenburg eG zeigte keine Bemühungen, den Sachverhalt aufzuklären

Strafantrag bei dem Polizeipräsidenten in Berlin wurde gestellt, was der PSD-Bank Berlin Brandenburg eG bekannt ist.

Die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG zeigte keine Bemühungen, den Sachverhalt aufzuklären. Ilex Rechtsanwälte fragte mehrfach nach den Abhebungsprotokollen der betroffenen Geldautomaten. Die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG verlangte für die Beschaffung der Protokolle eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro pro angefangener Stunde.

 Sowohl Magnetstreifentechnik als auch Chipkartentechnologie auslesbar

Sämtliche Daten, die auf den drei Magnetspuren auf dem Magnetstreifen der Zahlungskarte gespeichert sind, können mit einem handelsüblichen Kartenlesergerät unproblematisch und verzugslos von jedermann ausgelesen werden. Auf die Nutzung der Chip-Technologie kommt es insofern überhaupt nicht an. Es ist auch bedeutungslos, ob der konkret von den Tätern genutzte Geldautomat die Chip-Technologie nutzte oder nicht, weil die Täter allein schon durch die Möglichkeit des jederzeitigen Auslesens des Magnetstreifens dessen Daten im Vorfeld in Sekundenschnelle hätten auslesen können. Auf einem der drei Magnetspuren ist jedenfalls eine sogenannte „Prüfziffer“ abgelegt.

Ilex Rechtsanwälte hat unzählige Prozesse im Bereich des EC-Kartenbetruges geführt, die den völlig unstreitigen Sachvortrag gerade auf Seiten der Banken hervorgebracht haben, dass es die sogenannte „Offline-Autorisierung“ gibt, die bei Fehlen einer Online-Verbindung zwingend nötig ist, um den Betrieb des Geldautomaten nicht einstellen zu müssen.

 Die Berliner Sparkasse trug hierzu erst jüngst in einem parallel geführten Verfahren ausdrücklich vor, dass man die zu einer Zahlungskarte gehörende PIN bei der sogenannten Offline-Autorisierung errechnen kann, wenn man den angeblich „geheimen Institutsschlüssel“ und den zur Berechnung notwendigen Algorithmus kennt. Die Darlegung der Berliner Sparkasse, dass die PIN nicht offen auf dem Magnetstreifen abgespeichert sei (das wäre zugegebener Maßen auch zu einfach), trifft zu. Auf einem der drei Magnetspuren des Magnetstreifens befindet sich jedoch eine Prüfziffer. Diese Prüfziffer kann man mit jedem handelsüblichen Kartenlesegerät in Sekundenschnelle auslesen. Mit Hilfe der Prüfziffer und mit Kenntnis des angeblich „geheimen Institutsschlüssel“ und des dazugehörigen Algorithmus kann man nun die PIN errechnen. Das macht jeder Geldautomat jeden Tag in Deutschland mehrfach hintereinander.

Oder anders ausgedrückt: Wer aufgrund von Insiderwissen den Institutsschlüssel kennt und wer ferner dazu in der Lage ist, mithilfe eines handelsüblichen Lesegerätes die auf dem Magnetstreifen gespeicherte Prüfziffer auszulesen (das kann jeder, der über ein einfaches Lesegerät verfügt), der kann mithilfe eines Algorithmus die zu einer Zahlungskarte gehörende PIN errechnen. Auch dies geht in Sekundenschnelle. Man braucht dazu nur zweierlei: 1) Insiderwissen und 2) einen handelsüblichen Computer (hinter jedem Geldautomaten verbirgt sich auch nichts anderes, als lediglich ein handelsüblicher Computer).

 All dies hat ilex Rechtsanwälte der PSD-Bank Berlin Brandenburg eG mitgeteilt.  Die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG bestreitet aber, dass auf der entwendeten Zahlungskarte der Ehefrau unseres Mandanten die veraltete Magnetstreifentechnik benutzt wird.

 Darauf kommt es aber gar nicht an. Da insbesondere Geldautomaten im Ausland nicht flächendeckend mit der Chip-Technologie arbeiten, behauptet ilex Rechtsanwälte, dass die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG nach wie vor und auch die nächsten Jahre noch beide Techniken parallel einsetzt. Die sogenannte Chip-Technologie wurde eingeführt, um das Auslesen der hierauf gespeicherten Daten zu erschweren, mit denen man bei Kenntnis des sogenannten Institutsschlüssels prinzipiell die zu einer Zahlungskarte gehörende PIN berechnen kann.

Bereits seit mindestens 2011 ist es jedoch bekannt, dass auch die Daten im Rahmen der sogenannten Chipkarten-Technologie prinzipiell, wenn auch mit etwas mehr Aufwand, jederzeit ausgelesen werden können. So berichtete das Fachmagazin heise Security bereits am 16. März 2011, also Jahre vor dem Diebstahl zu Lasten unseres Mandanten und seiner Ehefrau, bereits davon, dass es vier Sicherheitsforschern auf der im März 2011 stattgefundenen CanSecWest-Sicherheitskonferenz gelungen sei, die auf Chipkarten gespeicherten Daten auszulesen (Beitrag von Marc Heuse, „PIN-Skimming bei Chipkarten möglich“, in: heise Security vom 16.03.2011.

 PSD-Bank Berlin Brandenburg eG widerruft mit Bankkunden gerichtlich geschlossenen Vergleich 

Ein – wegen der außergerichtlichen Verweigerungshaltung der PSD-Bank Berlin Brandenburg eG hinsichtlich einer Erstattung oder Einigung – notwendiger Rechtsstreit wird derzeit gegen die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG geführt.

 Ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht einigte sich die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG im Gerichtstermin zunächst widerruflich auf Leistung einer Vergleichszahlung. Noch im Rahmen der Widerrufsfrist widerrief die  PSD-Bank Berlin Brandenburg eG den geschlossenen Vergleich. Eventuell möchte sich in Wirklichkeit die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG gar nicht mit ihrem Bankkunden einigen und/oder der Vergleich wurde nur aus prozesstaktischen Gründen geschlossen.

Ilex Rechtsanwälte wird nun die Schadensersatzansprüche unseres Mandanten gegen die PSD-Bank Berlin Brandenburg eG im Rahmen des laufenden Gerichtsverfahrens weiterverfolgen.  

 

 

 

 

Autor

Guido Schiemann
Rechtsanwalt

Bank- und Kapitalmarktrecht, Gesellschaftsrecht, Markenrecht, Urheberrecht, Wettbewerbsrecht, Arbeitsrecht, Insolvenzrecht

ilex Rechtsanwälte – Berlin & Potsdam Yorckstraße 17, 14467 Potsdam Hohenzollerndamm 123, 14199 Berlin

Telefon +49 331 9793750
Telefax +49 331 97937520

E-Mail: schiemann@ilex-recht.de
Internet: www.ilex-recht.de

Verwandte Themen

Zurück

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Medienpräsenz

Chip Online
Frankfurter Allgemeine
Merkur
Berliner Morgenpost
Sat1
Der Spiegel
ZDF
Chip Online
Frankfurter Allgemeine
Merkur
Berliner Morgenpost
Sat1
Der Spiegel
ZDF
ilex Rechtsanwälte hat 4,78 von 5 Sternen | 42 Bewertungen auf ProvenExpert.com