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Wein als Kapitalanlage: Interview mit dem Sommelier und Weinkenner Michael Plonsky

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In der Niedrigzinsphase existiert auf dem Kapitalmarkt die Flucht in die Sachwerte. Wein als seit Jahrtausenden existierendes Handelsgut spielt hierbei eine Rolle. Schnell ein paar Flaschen Bordeaux gekauft, etwas warten und dann mit Gewinn wieder verkaufen. Was auf den ersten Blick einfach aussieht, ist in Wirklichkeit ein Gebiet für Weinkenner. ilex Rechtsanwälte, spezialisierte Anwaltskanzlei im Kapitalanlagenrecht, befragte hierzu den Berliner Sommelier und Weinkenner Michael Plonsky, der mit ausgesuchten Weiß- und Rotweinen aus Europa handelt und in Berlin Charlottenburg das Lokal Weinrausch betreibt (kleine Leckereien von Antipasti bis saisonaler Überraschung).

 

Fragen an Michael Plonsky:

 

 

 

 

 

 

  • Wie funktioniert das Handelsgeschäft mit Wein?
  • Was sind die Parameter auf die man beim Wein als Kapitalanlage achten sollte?
  • Welche Merkmale beeinflussen den Preis?
  • Welcher Wein zählt zu den geeigneteren?
  • Inwiefern spielen kaufmännische Fragen eine Rolle?
  • Wie lange kann man Wein lagern?
  • Inwiefern ist Wein als Kapitalanlage risikobehaftet?
  • Wäre der Investor gut bei Ihnen beraten?
  • Was war ein besonders guter Jahrgang?
  • Welche Bedeutung haben Weinmarken?

 

Michael Plonsky vor dem Weinrausch in Berlin


ilex: Herr Plonsky, schnell ein paar Flaschen Bordeaux gekauft, etwas warten und den Wein dann mit dickem Gewinn wieder verkaufen. Funktioniert so, vereinfacht gesprochen, das Handelsgeschäft mit Wein?

 

Michael Plonsky: Nein, so funktioniert es sicherlich nicht. Die Chance, dass man in ein Supermarktregal greift, eine Weinflasche dann zehn Jahre lang im Keller liegen lässt und sie anschließend mit 500 Prozent Wertsteigerung wieder verkauft, ist denkbar gering und eine Wunschvorstellung. Die meisten Weine, die im Massengeschäft des Handels vertrieben werden, sind zum schnellen Verzehr produziert worden; d. h. sie haben ihr geschmackliches Potenzial erreicht und können bei einer längeren Lagerung kaum besser werden. Wenn wir über Wein als Kapitalanlage sprechen, dann sprechen wir von bestimmten Weinen, die zum Zeitpunkt des Kaufes noch jede Menge Potenzial haben. Diese Weine brauchen die Lagerung, um zu reifen und um ihren vollen Geschmack erst noch zu entfalten. Ich empfehle deshalb, etwas genauer hinzusehen, wenn man auf Wein als Kapitalanlage setzt.

 

ilex: Was sind die Parameter auf die man beim Wein als Kapitalanlage achten sollte?

 

Michael Plonsky: Wenn man das Thema Wein als Kapitalanlage von Anfang an betrachtet, so sollte die Grundvoraussetzungen erfüllt sein, um Wein lagern zu können. Es gibt zwei Dinge, die der Lagerfähigkeit von Wein stets schadet: Licht und Wärme! Man braucht deshalb einen Weinkeller, möglichst ohne Tageslicht und mit gleichbleibender Luftfeuchtigkeit und gleichbleibenden Temperaturen um die 10-16 Grad Celsius. Nur hier fühlt sich der Wein wohl und kann reifen und zu einer echten Kapitalanlage werden. Darüber hinaus sollten die Weinflaschen den Korken benetzen und horizontal gelagert werden und man benötigt genügend Zuluft.

 

ilex: Welche Merkmale beeinflussen den Preis?

 

Michael Plonsky: Wein als Kapitalanlage bedingt eine lange haltbare Weinsorte. Denn wie will man sonst einen Preissprung mitnehmen, der sich erst in einigen Jahren einstellt? Daneben beobachten wir, dass der Preis sowohl durch die Rarität eines Jahrganges und einer Rebsorte, als auch durch die Qualität des Weines stark beeinflusst wird. Die Auswahl des richtigen, qualitativ hochwertigen Weines ist insofern der zwingende nächste Schritt und dabei sprechen wir über die Rebsorte, den Jahrgang, das Weingut, die Qualität des Bodens und über die Kunst und Qualität des Winzers und des Kellermeisters. Es empfiehlt sich, sich in das Thema Wein einzuarbeiten, um in der Oberliga mitzuspielen.

 

ilex: Welcher Wein zählt zu den geeigneteren?

 

Michael Plonsky: Man braucht einen lagerfähigen Wein, der seine Qualität erst nach Jahren der Reifung entfaltet. Und da gibt es natürlich Weine, die besonders geeignet sind. Eine Spätlese, eine Beerenauslese, eine Trockenbeerenauslese und einen Eiswein halte ich beispielsweise generell für geeignet. Hier wirkt weniger der Säuregehalt, sondern eher der Zuckergehalt konservierend. Wer hier auf den ungeeigneten Wein setzt, dem kann es passieren, dass er Wein lagert, aber Essig erntet.

 

ilex: Wie lange kann man Wein lagern?

 

Michael Plonsky: Ein exakt definierbares Haltbarkeitsdatum kann es nicht geben, den wir reden über ein hochwertiges, sehr individuelles Lebensmittel, welches u. a. durch seinen Jahrgang geprägt wird. Als grobe Faustregel kann man sich merken, dass ein Wein insbesondere dann besonders lagerfähiger ist, je mehr Tannin er enthält. Ein Carbernet Sauvignon mag insofern ein guter lagerfähiger Wein sein. Es gibt daneben noch weitere Faktoren. Je mehr Säure ein Wein enthält, desto länger ist er haltbar. Die Säure verhindert das Wachstum von Bakterien, die den Wein durch Umwandlungsprozesse verderben lassen könnten. Auch der Alkoholgehalt kann ein Kriterium sein, da Alkohol aufgrund seiner Fähigkeit, Bakterien abzutöten, ein gutes Konservierungsmittel ist.

Sommelier Michael Plonsky im Weinrausch Berlin

 

ilex: Inwiefern spielen kaufmännische Fragen eine Rolle?

 

Michael Plonsky: Kaufmännische Überlegungen spielen beim Wein als Kapitalanlage eine große Rolle. Die Hoffnung des Investors besteht darin, dass er den Wein günstig einkauft, einige Jahre lang lagert und er dann Höchstpreise erzielen kann. Soweit die Theorie. Die Realität in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen ist aber die, dass die Flucht in die Sachgüter längst im Gange ist. Und der Preis von Wein wird eben auch dadurch bestimmt, dass er von finanzkräftigen Käufern nicht nur unter kaufmännischen Gesichtspunkten gekauft wird. Beim Wein spielt auch die Emotion und das Prestige bei der Preisbildung eine Rolle. Zudem sprechen wir über einen weltweiten Handel. Es kann also durchaus vorkommen, dass der Preis des Weinmarktes beispielsweise in Frankreich durch Aufkäufe aus Asien oder China in einem Jahr stärker beeinflusst wird, als in einem anderen Jahr. Außerdem beeinflusst den Preis beim Verkauf recht stark neben der Qualität des Weines, auch seine Rarität. Ein Profi prognostiziert beim Einkauf, wie viel Ware im Markt vorhanden ist und wie viel weniger es voraussichtlich in einigen Jahren sein wird.

 

ilex: Inwiefern ist Wein als Kapitalanlage risikobehaftet?

 

Michael Plonsky: Ja, unter rein kaufmännischen Gesichtspunkten ist das richtig. Wie sich die Nachfrage und der Preis in der Zukunft entwickeln werden, hat in Teilen natürlich ein spekulatives Moment. Eine Garantie gibt es nicht. Und welche Qualität und Reife den Wein in der Zukunft ausprägen wird, lässt sich natürlich für den Weinkenner deutlich einfacher beurteilen, als für denjenigen, der nur gelegentlich mit dem Thema Wein befasst ist. Aber einen Unterschied zu Kapitalanlagen, die einem gesteigerten Totalverlustrisiko unterliegen, gibt es dennoch: selbst wenn sich die Erwartung an die Preisentwicklung nicht verwirklicht. Am Ende hat man immer den Wert einer Flasche Wein in der Hand.

 

ilex: Insofern wäre der Investor gut bei Ihnen beraten?

 

Michael Plonsky: Ja, wir beraten unsere Kunden beim Weinkauf und wir helfen Weinliebhabern bei der Auswahl des richtigen Weines.

 

ilex: Was war ein besonders guter Jahrgang?

 

Michael Plonsky: so generalisierend möchte ich mich da gar nicht festlegen. Sprechen wir über spät gelesene und streng selektierte Reben, dann waren die Jahre 1991 und 2010, sicherlich gute Jahrgänge. Aber auch hier kommt es schon sehr auf die Region, auf das Weingut und auf die Rebsorte an.

 

ilex: Welche Bedeutung haben Weinmarken?

 

Michael Plonsky: Bekannte Weinmarken sind sicherlich eine Orientierungshilfe für Nichtkenner und sie beeinflussen ebenfalls den Preis. Einerseits hat sich eine bekannte Weinmarke seinen Ruf natürlich erarbeitet. Andererseits gilt, wer sich nur durch Namen blenden lässt, wird nie eine Neuentdeckung machen. Spitzenweine sind zu vielfältig im Markt vorhanden, als das sich Einfalt lohnt. Und man muss bedenken: Wenn in Deutschland der Name „Rothschild“ durch die Regale des Einzelhandels flitzt, ist dies keine 100%ige Garantie, das auch ein „Rothschild“ drin ist; also ein hochwertiger Wein vom Château Mouton-Rothschild aus Bordeaux, prämiert mit der Premier Cru Classé und nicht irgendwo anders her. Und man muss noch wissen: in den weniger prachtvollen Jahren kann auch der oftmals hervorragende Mouton vom Château Mouton-Rothschild mal unterdurchschnittlich ausfallen; z.B. im Jahr 1990 mit „nur“ 90 PP, während Nachbargüter höher bewertete Weine erzeugten.

 

ilex: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Die Fragen auf Seite von ilex Rechtsanwälte stellte Dr. Ulrich Schulte am Hülse

 

Kontakt zum Weinrausch:

Michael Plonsky

Schlüterstraße 75

10625 Berlin

Tel. 030 98351513

Mail: plonskys@weinrausch-berlin.de

Internet: Weinrausch Berlin Charlottenburg

Autor

Dr. Ulrich Schulte am Hülse
Gründungspartner

Auskunfteien, Bankaufsichtsrecht, Bankrecht, Datenschutzrecht, Geldwäscheprävention, Grundeigentum, Kapitalmarktrecht

ilex Rechtsanwälte – Berlin & Potsdam Yorckstraße 17, 14467 Potsdam Hohenzollerndamm 123, 14199 Berlin

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